Transformation par le Réemploi - des Reiseberichtes erster Teil

Von Mario Voigt , 12. August 2026

Bonjour!

Wir berichten über unsere Erfahrungen und Eindrücke unseres diesjährigen Frankreichtrips. Als gemischte Gruppe mit 7 Leuten - darunter vertreten der Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. via Jugend hackt und befreundete KünstlerInnen - sind wir am 20.05. von Sachsen aus mit zwei PKWs aufgebrochen, unsere Hauptziele: Le Soler und Toulouse. Genauer gesagt: Die La Cyber Fabrique und das FaireFestival in Toulouse in vierter Edition.

Unser Fokus dabei waren die Themen deutsch-französische Beziehungen/Freundschaften und die Wiedernutzung ("Transformation par le Réemploi"). Konkret: mit Mitmachworkshops am Gemeinschaftsstand Occitanie–Sachsen zeigen, wie Materialien, Softwarecode, Computertechnik und Beteiligungsmethoden gemeinsam gesucht, geteilt, recycelt und upgecycelt werden und wie letztlich Sharing gesellig und nachhaltig sein kann - ganz im Sinne offener Werkstätten.

Zum FaireFestival-Part folgt ein weiterer Blog-Post. Seid gespannt!

Abseits des FaireFestivals gibt es umfangreiche nennens- und zeigenswerte Eindrücke unserer Reise, die wir hier vorstellen. Durch die letzten Jahre wurden viele persönliche Kontakte geknüpft. So hatten wir recht viele Zwischenhalte in den einzelnen Verwaltungsregionen Frankreichs, um jeweils einen Besuch bei den jeweiligen Projekten abzustatten und sich auf den neuesten Stand zu bringen. Zu verdanken ist dieser Zusammenhalt unter anderem durch die ständigen Bemühungen von Alexandre Roussoulet.

Die Fahrt brachte uns quer durch Grand Est, Bourgogne-Franche-Comté, Auvergne-Rhône-Alpes und schließlich in die Occitanie. Mit über 4.500 km Strecke und dutzenden Zwischenstopps war die Reise abwechslungsreich wie eh und je in Puncto Geschwindigkeit, Höhenmetern, Sprache, Landschaft, Temperatur und Co.

Die Reisekarte

Zur Orientierung haben wir eine OpenStreetMap Karte erstellt (nicht vollständig) und teilen sie hier. Diese dient (uns) als Langzeitmerker für die vielen Stationen.

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20.05.2026 | Reisestart und CREAPOLIS Makerspace // Coburg

Und los geht's! Das erste Auto ist voll, die Müdigkeit noch ausgeprägt :-] Dabei ist hoffentlich alles, was man so im Süden gebrauchen kann. An Bord sind Maik, Mario und Toni als erster Gruppenteil, der schon etwas eher aufbricht als der Rest der Reisegruppe. Das Tagesziel zum Abend ist die Stadt französische Besançon. Mit Maik am Steuer fahren wir gegen 10 Uhr morgens los und schruppen Kilometer auf der Autobahn. Alles klappt - kein Stau, keine Unwetter.

Als Zwischenhalt haben wir den CREAPOLIS Makerspace im oberfränkischen Coburg angesteuert. Diese befindet sich auf dem ehemaligen Schlachthofgelände und ist an die Hochschule Coburg angegliedert und Mitglied im Verbund Offener Werkstätten. Hier treffen wir Jan Schmid und Lorenz Raab, die uns die CREAPOLIS genauer zeigen und den Ort erklären. Es gibt reichlich zu sehen und viele Leute sind zu Gange. Zu entdecken unter anderem: ein heller und geräumiger Holzbereich, eine Metallwerkstatt mit gut sortierten und ausgewählten Abkant-, Schweiß- und Fräswerkzeugen, ein Raum mit 3D-Druckern, Plottern und Co, ein gemütlicher Arbeitsbereich bzw. Lounge und einiges mehr.

Wir waren sehr im Gespräch vertieft und sind nicht so richtig dazu gekommen viele Schnappschüsse zu machen (man zehrt bekanntlich von Erinnerungen). Aus Zeitgründen konnten wir zudem nicht all zu lange bleiben. Hier haben wir jedenfalls unter anderem einige Tipps in Richtung Metallwerkstatt mitgenommen, die wir für die eigene Werkstatt gut gebrauchen können. Danke für den Erfahrungsaustausch an dieser Stelle!

Schade, dass Florian Festi nicht da war - das ist der in der DIY-Szene bekannte Schöpfer des Open Source Lasercut-Generators boxes.py und wie wir erfahren haben, gehört er auch zum Team. Gern hätten wir mal persönliche Gratulation ausgedrückt.

21.05.2026 | Stop 1 - Fablab des Fabriques // Grand Besançon Métropole

In Besançon eingetroffen fallen wir schon direkt in der Innenstadt raus, wo wir ein besonderes historisches Emsemble von Hausfassaden am Fluss (Doubs) sehen. Unweit von der Pont Battant treffen wir uns mit unserem bereits bekannten Kontakt Léon Reboul und seinem Kollege Guillaume Bertrand - beide gehören zum Fablab des Fabriques. Léon kennen wir schon länger: Maik hat ihn in Montpellier als Gastgeber kennengelernt und letztes Jahr war er bei uns einquartiert und hat ein Projekt für das Museum für Naturkunde betreut, wofür wir uns revanchieren konnten. Nun ist er von Montpellier weggezogen und hat in Besançon Fuß im FabLab als Werkstattbetreuer gefasst.

Nachdem wir uns zunächst auf ein paar bekömmliche lokale Biere am Vorabend trafen und den ersten Teil der langen Fahrt auskurierten, verabredeten wir uns am Folgetag im FabLab des Fabriques. Jenes ist im Vorort des Zentrums gelegen und gut für die Bürger der Stadt erreichbar. Unsere spontanen Themen waren vom Allgemeinen über Werkstattbetrieb und -organisation bis hin zu Open Source Tools: Home Dashboards, Inkscape und Co. Wir sprachen hier unter anderem über verschiedene Algorithmen und Softwareerweiterungen. Maik zeigte einem Gast des FabLabs seine VR-Tour vom FabLab Chemnitz. Entdeckt haben wir beispielsweise auch spannende taktile Modelle zum Anfassen - hergestellt mit dem Lasercutter.

22.05.2026 | Stop 2 - LaboLac // Annecy

Unser nächstes Reiseziel am selben Tag ist die beschauliche Region und Stadt Annecy, südlich gelegen von Genova (Genf) und ca. 180 km von Besançon entfernt. Während der Fahrt sehen wir mehrfach den Mont Blanc im Gebirgszug hervorschweifen. Auch hier treffen wir bereits bekannte Gesichter wieder: Aurélien Guestin, welcher ebenso 2025 schon mal bei uns in Chemnitz war und sich seit vielen Jahren unter anderem mit Robotik, Elektronik, 3D-Druck und Konstruktion auseinandersetzt. Er zeigt uns die Räume von LaboLac - sein eigenes Gewerbe (Startup) in einem modernen Gründerzentrum namens Galileo (so ähnlich wie das TCC in Altchemnitz).

21.05.2026 | Stop 3 - ideationLab // Annecy

Mit Aurélien bei uns im Gepäck, oder besser gesagt wir mit ihm, fahren wir zum nächsten Halt in der gleichen Stadt. Bei angespanntem Stadtverkehr brauchen wir für eine recht kurze Strecke ziemlich lang mit dem Auto - das Verkehrsaufkommen in Annecy ist tourismusbedingt sehr angespannt, bekommen wir zu erfahren.

Das neue Ziel: das ideationLab. Das ist ein kompakter, aber sehr reichhaltiger Makerspace, den Aurélien vor ein paar Jahren mitgegründet hat. Die Werkstatt ist für ihre Größe besonders vielfältig im Angebot (Holzarbeiten, CNC-Fräsen, Lasergravierer, 3D-Drucker, viele Handwerkzeuge und mehr). Direkt im Erdgeschoss eines großen Wohnhochhauses ist es lokalisiert - also im Herzen der Stadt und entsprechend gut zugänglich sowie mit festen Öffnungszeiten angebunden. Hier sind unter anderem Hausmieter und Nachbarn Mitglied im Verein und tragen zur Vielfalt bei.

Nach einer angenehmen Willkommensrunde sprechen wir über verschiedene Aktivitäten des ideationLab, zum Beispiel Elektronikworkshops für Jugendliche am Beispiel eines selbstgebauten Mikroskops. Wir lernen im ideationLab einen äußerst engagierten jungen Mensch kennen, der uns ausgiebig von seinem Projekt erzählt: einem non-planar Slicer (Erklärung) für das 3D-Drucken und sind verblüfft, dass er sich mit einer solch komplexen Materie auseinandersetzt.

21.-22.05.2026 | Zwischendurch // Region Annecy

Kein besonders inhaltlicher Textblock, aber ein paar schöne Zwischeneindrücke. Frankreich ist dem Hören-Sagen für Naturschönheiten bekannt. Und wir wurden hier nicht enttäuscht. Die Landschaft um Annecy herum ist malerisch. Wer viele Kilometer fährt, muss ab und an Pausen machen. So haben wir den einen oder anderen Halt im Grünen geschafft.

22.-24.05.2026 | Mountain Makers // Manzat

Einen etwas längeren Zwischenhalt haben wir in Manzat eingelegt. Manzat liegt ganz in der Nähe von Clermont-Ferrand und der berühmten Gemeinde Volvic. Das kennen wir vom gleichnamigen Mineralwasser (an der Wasserquelle haben wir uns auch was lokal gezapft!).

Hier ist Europa mit einem super lebendigen Makerspace zuhause: bei den Mountain Makers (Makers des Montagnes). Genauer gesagt bei der Familie Rousselet. Alex, Gründer des VULCA Network, hat uns bei sich einquartiert. Für die jetzige Quartierstellung und die Möglichkeit, sich dort länger einzuhausen, um z.B. ein ERASMUS-Programm zu machen, haben sie viele Jahre geschuftet und ausgebaut. Das Haus ist eine alte Liegenschaft. Viele Baustile und Epochen lassen sich dort ablesen - umso spannender sind dort die einzelnen Sanierungsarbeiten, die in die sie sehr viel Energie stecken.

In den Tagen vom 22.-24.05. haben wir unsere Reisegruppe in Manzat vervollständigt. Mit dem zweiten Auto sind Babette, Anja und Martin angekommen. In der Zwischenzeit haben wir uns etwas erholt und die Gegend erkundet. Besonders spannend sind zum Beispiel die Gewässer und Flüsse, welche aus einem ehemaligen Vulkangebiet ihre Form angenommen haben (u.a. Gour de Tazenat). Hier verstehen wir noch einmal mehr, warum das VULCA Network VULCA heißt.

Außerdem hatten wir Gelegenheit, einen weiteren Teil der Familie Rousselet kennenzulernen, Alex beim Ausbauen des Geländes zu beobachten und den einen oder anderen Mitgestalter des Makerspaces zu treffen, so z.B. Louic aus Schottland.

24.+25.05.2026 | Leucate, Barcelona und Zwischendurch

Am Morgen des 24. Mai geht es weiter mit unserer Reise. Nächstes Ziel: Leucate. Das ist ein Ort direkt am Mittelmeer. In einer kleinen, engen und viel zu warmen Campingwohnung sind wir einquartiert, um in den nächsten Tagen weitere Orte anzusteuern (Fort de la Galline, Le Soler, Perpignan, ...). So verbringen wir noch einen langen Tag im Auto und fahren einige hunderte Kilometer. Außerdem sammeln wir parallel Kati ein, die per Flugzeug nach Barcelona berufsbedingt später angereist ist. Die Strecke von Leucate beträgt hier ca. 200 km und war für uns die machbarste Option.

25.05.2026 | Fort de la Galline // Port-Vendres

Unser erster geplanter, inhaltlicher Punkt für diesen Tag ist ein Treffen im Fort de la Galline. Unser Tourguide dafür ist Romain Llapasset von der La Cyber Fabrique aus La Soler, der uns aus Port-Vendres abholt. Auch ihn kennen wir schon über unsere Vorjahresreise. Für uns hat er diesen besonderen Ort ausgewählt, den wir zusammen besuchen. Über eine ziemlich lange, steinige Straße fahren wir mit viel Respekt und schwitziger Stirn hoch (mit dem Wissen, dass wir später auch wieder über die gleiche Piste zurück müssen - autsch!).

Das Fort de la Galline wurde im 19. Jahrhundert im Zuge militärischer Aktivitäten zum Schutz von Hafen, Industrie und Dynamitfabrik erbaut, als die Einwohner der Region außerdem eine mehrjährige, schwere Krisenzeit im Weinanbau (Reblaus) hatten. Das Fort war nur eines von vielen, die in der Region ebenso gebaut worden sind und letztlich das Landschaftsbild scharf prägen.

Das Fort geriet über die Jahrzehnte in Vergessenheit und wurde unter Staub und Erde begraben. Im Jahr 2014 gab die Stadt Port-Vendres für einen symbolischen Euro die Liegenschaft an einen Verein, der mit der Wiederaufarbeitung und Nutzung betraut wurde.

Seit dieser Zeit ist viel hier passiert: Das Gelände wurde von Schutt und Staub befreit, Räume wieder freigeschaufelt und restauriert. Es wurden alte Mauern, Brücken und Geländer repariert, Möbel und einfache Werkzeuge nach oben gebracht. Die Bewirtschaftung ist sehr umständlich, da es keine konventielle Medienversorgung gibt: Strom, Wasser und Internet sind Luxus. Das Leben hier oben ist hart und auf einfache Dinge reduziert, jedoch naturbelassen und bietet das Potential zur Glückseligkeit für Aussteiger. Nur wenige halten es hier oben lange aus, aber es ist immer eine kleine Gruppe stationiert und bewegt was.

Unserer Gruppe wurde das Fort ausgiebig vorgestellt und wir durften das meiste besichtigen. Es war für uns sehr abwechslungsreich zum gewohnten Alltag, denn hier kommt ausschließlich Technik aus dem LowTech-Bereich zum Einsatz, d.h. bewährte und effiziente Methoden zur Gewinnung oder Verwendung knapper Ressourcen.

Der Strom kommt überwiegend über ein selbst gebautes Windrad und eine Solaranlage (lange betreute Projekte von der La Cyber Fabrique). Mit dem Strom werden nur nötige Dinge betrieben, wie z.B. Beleuchtung, Pumpen oder ein Froster. Internet und Telefon gibt es allenfalls über mobile Daten. Manchmal finden hier oben übrigens auch Musikfestivals statt!

Das Wasser entstammt ausschließlich aus der Speicherung des Regenwassers in einer großen Zisterne. Auch diese musste komplett freigeschaufelt werden, weil diese verschüttet gewesen ist. Handarbeit ist hier oben täglich angesagt. So werden, weil es im Sommer durchaus 6 Monate keinen Tropfen Wasser regnet und die Region auch von Sommerfeuern bedroht ist, hauptsächlich Nutzpflanzen angebaut, die robust und wassersparsam sind (diverse Kräuter).

Hier oben werden viele Dinge ausprobiert, die mit Wind und Sonne funktionieren, z.B. Kochapparaturen mit Parabolspiegel, die das Sonnenlicht auf einen Punkt bündeln und zentrieren. Die entstehende Hitze im vormontierten Kessel reicht an einem sonnigen Tag aus, um z.B. Nüsse zu backen oder Suppe zu kochen.

Den Abend auf dem Fort konnten wir noch genießen: es gab lokales Bier und Snacks, einen Sonnenuntergang und einen tollen Austausch mit weiteren Vertretern von der La Cyber Fabrique wie Kevin und Patrice.

26.05.2026 | Stop 1 - La Ferme à la Plage Torreilles // Torreilles

Am Folgetag treffen wir uns erneut mit Mitgliedern der La Cyber Fabrique. Sie haben noch viel mehr spannende Projekte, die sie uns vorstellen wollen. Wir lernen Patrice Ey kennen. Patrice ist nicht nur Mitglied in der La Cyber Fabrique geworden, er ist hauptsächlich Winzer und Biolandwirt, langjährig und erfolgreich tätig, produziert selber alles Mögliche und verkauft es im eigenen Laden. Dabei legt er Wert auf Nachhaltigkeit, Regionalität und zukunftsgewandten Fortbestand. Klimawandel und Natürlichkeit sind wichtige Themen, die eine Schnittstelle zur La Cyber Fabrique bilden. Forschergeist, Experimentieroffenheit, gesellschaftlicher Fortschritt, Digitalisierung als Stichworte sind hier zu nennen.

Eine spannende und zugleich eher unscheinbare Sache steht direkt auf dem Feld: Bienenstöcke mit Temperatursensoren und LoraWAN Anbindung. Ein stromsparsamer, wettergeschützter Controller schickt im regelmäßigen Intervall Sensordaten über die ebenso energiesparsame Funkverbindung Informationen an ein zentrales Monitoring. Das Ziel: eine stabile Bienenzucht mit gesunden Bienen. Immer mehr Bienenvölker überleben heut zu Tage nicht mehr, u.a. durch den Befall der in Frankreich nicht endemischen, japanischen Hornisse. Das Monitoring, sowie zum Beispiel das Entwickeln von Fangmöglichkeiten für die Hornisse und andere Schädlinge sind Teil des Forschungsprojektes Alterra, welches viele verschiedene, weitere Landwirtschaftaspekte betrachtet.

Gute Bedingungen und Abwehrmechanismen zu bieten ist deshalb das A und O. Weil Patrice aber eben kein IT-Techniker ist, hat er die passende Hilfe vom Verein erhalten.

Das noch übergeordnete Ziel: Zeit einsparen und an anderer Stelle sinnvoller einsetzen. Durch die vielen Felder und Grundstücke kann Patrice sich nicht um alles gleichzeitig kümmern, muss aber schnell reagieren: Wetter- und Erntesituationen schreien nach hoher Flexibilität und Einsatzbereitschaft. Sensoren an verschiedenen Stellen geben ihm eine bessere Übersicht, mit der er schneller entscheiden kann, wo ggf. wann wie zu reagieren ist.

26.05.2026 | Stop 2 - La Cyber Fabrique // Le Soler

Ein Höhepunkt unseres Frankreichtrips war der Besuch in der der La Cyber Fabrique an sich. Die befindet sich in Le Soler und ist eine ca. 8.000 Einwohner starke Gemeinde. Die LCF befindet sich in einem Haus auf 2 Etagen und hat eine umlaufende Veranda. Im Obergeschoss befinden sich die Gemeinschaftsbereiche wie Küche, Meetingraum und Büros, E-Werkstatt und 3D-Druckerraum. Im Erdgeschoss sind die groben, lauten Dinge zu finden: Holz- und Metallbereich, Laser und Co.

Wir hatten den ganzen Abend Zeit, um uns untereinander kennenzulernen, Dinge auszuprobieren und verschiedene Arbeiten zu bestaunen. Unter anderem trafen wir Romain, Sonja, Patrice, Ivan, Kevin und Sébastien. Es wurde gemeinsam gegrillt und wieder aufgeräumt.

27.07.2026 | Stop 1 - Virginie Orthopédie // Perpignan

Neuer Tag, neuer Input. Verabredet sind wir mit Ivan Pommet (schon am Vortag getroffen, sowie in 2025). Er ist nicht nur Mitglied in der LCF, er arbeitet seit ein ca. einem Jahr bei Virginie Orthopédie. In dieser Werkstatt werden Orthesen und Prothese für Kinder und Erwachsene angefertigt. Dort ist er als Konstrukteur und Designer aktiv und gibt uns Einblicke in seine Arbeit und in die seiner KollegInnen. Ivan hat einen beachtlichen Lebenswandel hinter sich. Die Fertigkeiten, die er in die Orthopädie einbringt, hat er vor allem durch den Makerspace errungen, wie er uns berichtet. Das bedeutet damit letztlich, dass Makerspaces thematisch auch außerhalb durchdringen und wirtschaftlich relevant sein können.

Für uns war das erneut eine augenöffende Stunde. Die Arbeit für hilfsbedürftige Menschen erfüllt Ivan und das konnten wir nicht nur sehen, sondern förmlich spüren. Menschen Autonomie zurückgeben ist ein hohes Gut und dafür braucht es unter anderem auch technische Gerätschaften, um thermoplastische Formteile herzustellen oder Dinge auszulasern oder auszufräsen. In der Werkstatt von Virginie kommt somit viel Professionelles zusammen: Orthopädisches und medizinisches Wissen, Ingenieurskunst, traditionelles Handwerk, digitale CAD-Bearbeitung, Grafikdesign, Materialprüfung und mehr. Wir knüpften hier thematisch auch an unsere Reise vom letzten Jahr an, als wir uns mit dem Thema Inklusion befasst haben. Mit Begeisterung haben wir Ivan's Ausführungen aufgenommen.

27.07.2026 | Stop 2 - Les Ateliers du Réemploi // Perpignan

Der zweite große Zwischenhalt war in der großen Nachbarstadt Perpignan. Das war der letzte Stop, zu dem uns Romain führte. Wir treffen uns im Les Ateliers du Réemploi - einer sogenannten Ressourcerie oder bei uns in Deutschland unter dem Begriff "Materialinitiative" bekannt.

Für uns als Stadtfabrikanten ist das Thema von kreislauforientierten Vereinigungen nicht neu und kennen es spätestens, seitdem es den Konlgomerat e.V. mit Zundstöffe gibt, bzw. seit 2025 auch unsere lokalen Stadtwirtschaftsbachbarn mit ihrer eigenen Initiative namens ZEUX (vom Subbotnik e.V.).

Kernaktivität des Les Ateliers du Réemploi ist das Sammeln, Ordnen und Wiederverkaufen von Materialien aus zweiter und dritter Hand, um so als lokaler Baumarkt zu agieren. Die Liegenschaft gibt es auch her: es gibt viele große Verkaufs- und Lagerräume, eine Werkstatt zum Aufarbeiten (z.B. Formatieren, Säumen, Schleifen), Hochregale, einen großen Hof. Die Materialien kommen aus verschiedenen Quellen: von Abriss- und Neubaustellen, Unternehmen, Haushaltsauflösungen oder privaten Spenden. Hier finden sich solide Baustoffe wie Fliesen, Steine, Balken, Latten, Platten, Fenster, Türen, Elektroinstallation, Farben, Kleber oder Befestigungselemente. Insgesamt ein tolles Sortiment und viel Arbeit.

Die Baustoffe sind deutlich günstiger als Neuware im Standardbaumarkt und stehen häufig in nichts nach (weil es kompetente Leute gibt, die das entsprechend beurteilen können), außer dass sie nicht mehr in der OVP verschalt sind oder schon ein paar Jahre auf dem Kerbholz haben. Da bekanntlichermaßen jedoch jede Neuware in kurzer Zeit zur Gebrauchtware wird (Kratzer, Beulen, Verblassung), ist sowieso zu hinterfragen, wie viel "Neu" in einem Handelsgut stecken muss. Entsprechend positiv finden wir, dass diese alternative Vermittlung von Rohstoffen einen Teil zur gelebten Nachhaltigkeit beiträgt und auch Menschen dafür aktivieren kann, im praktischen Handeln umzudenken.

31.05.2026 - 02.06.2026 | Zwischendurch // Manzat & Region

[... hier ist eine inhaltliche Aussparung der Vortage: denn die kommt im zweiten Blogteil ... ]

Es ist schon Ende Mai: die Rückreise steht uns bevor. Wir packen die Koffer und verlassen Toulouse. Noch schnell ein Abschiedsfoto mit Gildas, den wir auf dem FaireFestival getroffen haben und der sich unserer Gruppe ein paar Tage anschloss.

Bevor wir nach Deutschland zurückfahren, überbrücken wir einen Teil der langen Fahrt mit einem zweiten Aufenthalt in Manzat. Dort gibt es nochmal ein Gathering zwischen uns und den Mountain Makers. Im Gepäck noch das restliche Einsiedler Bier, das wir an die Zapfanlage im Keller anstöpseln. Es kommen allerhand Leute vorbei und mit gutem Essen in Gemeinschaft rekapitulieren wir einen Teil unseres Ausflugs.

Fazit/Kommentar

Unsere Reise hat uns inhaltlich weitergebracht, Eindrücke vermittelt, neues Wissen gelehrt, interessante Formate und Communities sowie Werkstattökosysteme und dessen Outcome sichtbar gemacht.

Während unserer Reise ist uns erneut aufgefallen, dass in Deutschland Offene Werkstätten häufig stark ehrenamtlich getragen werden. In Frankreich hingegen sind viele FabLabs und Ressourcerien stärker institutionell eingebunden, teils kommunal unterstützt (z.B. mehrjährige Mietfreiheit oder starke Mietkostenvergünstigung) und oftmals klarer in regionale Innovations- oder Sozialprogramme integriert. Allerdings ist gleichzeitig auch die Förderstruktur in Frankreich nicht mehr so stabil wie in den Vorjahren, sodass ehrenamtliche Strukturen insgesamt resilienter wirken, da sie auch ohne fest angestellte Personen funktionieren - meistens, solange die Mietkosten getragen werden können.

Wir untersuchen, wie diese Systeme die Arbeit Offener Werkstätten fördern oder begrenzen und welche Modelle übertragbar sind.

Wimmeln und Wuseln

Als Folgeteil unserer Reise stellen wir unsere Erlebnisse bzw. Erkenntnisse zum jährlichen Hoffest "Wimmeln und Wuseln" am 06.09. in der Stadtwirtschaft vor:

Referenzen 2025

Im vergangenen Jahr waren wir auch in Frankreich an vielen Orten zu Gast. Hier eine Liste von Links zu einzelnen Blog-Posts:

Unterstüzung / Förderung

Das Projekt wird im Zeitraum von April bis September 2026 vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds (Fonds Citoyen Franco-Allemand) unterstützt. Diese Maßnahme wird außerdem mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Unsere Unterstützer und Wegbegleiter sind neben dem französischen Partnernetzwerk RFF Labs, der deutsche Dachverband Verbund Offener Werkstätten e.V. und die europäische Vulca Organisation für internationale Beziehungen zwischen offenen Werkstätten (aka Makerspaces), wo wir selbst auch Mitglied sind.

Wir danken für die finanzielle Unterstützung und den großartigen Netzwerkaustausch, der bereits einige Monate vor der Reise durch das Engagement vieler Leute, insbesondere durch RFF Labs und VULCA, möglich gewesen sind.

Zu guter Letzt ein Clip über den Fonds Citoyen Franco-Allemand:

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