Dies und das: Im Verein, in der Stadtwirtschaft, im Umfeld

Von Mario Voigt , 3. August 2026

Bei uns sieht es still aus? Kann sein! Aber ...

das ist nicht so! Abseits von Sommerlöchern und Urlaubsabwesenheiten werkeln wir im Verein konstant an Projekten weiter. Hier unser August-Momentum. Ein Abriss, was bisher unter der Haube passiert(e).

Verwaltungsstrudel mit Vanillesoße

Im Juni und Juli hatten wir einen Marathon an Treffen für unseren jährlichen Kulturfördermttelantrag, Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlung und mehreren Arbeitstreffen, um unsere Jahreshauptversammlung abzuhalten, die dreijährlich wiederholende Körperschaftsteuererklärung einzutüten, den Vorstand nach ebenso 3 Jahren neu zu wählen und alle Dinge zu klären, die damit verbunden sind - vorgelagert wie nachgelagert.

Unser neuer Vorstand setzt sich seit 04.07.2026 aus den drei ordentlichen Vorständen Mario, Tino und Benjamin zusammen. Toni ist unser außerordentlicher Vorstand, der dazu gekommen ist. Wir verabschieden an dieser Stelle Steffen und Holger aus dem Amt und bedanken uns ausdrücklich für die vielen Jahren der organisatorischen Unterstützung und dem Teilen von Augen, Ohren, Aufmerksamkeit und Wissen. Eine Übersicht unseres Teams findet sich auch hier.

Viel Zeit in der Vorstandstätigkeit geht dabei für das vorbei, was eher keiner so recht mag oder eventuell auch nicht sieht: Einladungen und Protokolle schreiben, Agendavorbereitung, Leute nerven, Gespräche führen, Öffentlichkeitsarbeit, Vordenken, Lesen, Verstehen, Recherchieren.

Hallo Europa: Octobermake und VULCA Seminar

Wir begeistern uns dafür, dass der deutsche Dachverband VOW e.V. und unser aktives Mitglied Maik gemeinsam auf der diesjährigen OctoberMake vom 07.-10.10. in Rennes dabei sind, mit Unterstützung vom Deutsch-Französischen Bürgerfonds (DFBF). Die OctoberMake ist das jährliche Haupttreffen und nationale Konferenz der französischen offenen Werkstätten. Für den bewilligten Antrag haben wir im Verein zugearbeitet. Ziel ist grob gesagt, den deutsch-französischen Zusammenschluss weiter zu festigen und noch mehr Wirkung zu entfalten.

Das ist auch die potentielle Gelegenheit, Freunde wie beispielsweise Hugues Aubin vom Climate Change Lab und Amelie Tehel von RFFLabs wiederzutreffen und sich auf den aktuellen Stand zu bringen.

Unsere beiden VertreterInnen Babette und Maik sind außerdem nach Kräften aktiv im Support des VULCA Teams. Im November findet das nächste Seminar statt. Wir blicken mit Vorfreude auf das internationale Arbeitstreffen unter dem Betreff "Professional Makers for a resilient Europe" vom 11.-13.11. in Cuenca, Spanien. Das VULCA-Netzwerk ist ein europäischer Zusammenschluss für Fablabs und Makerspaces und reicht von Individuen bis zu großen Verbänden bzw. Netzwerken. Zuletzt im Mai waren Jason und Jeffrey als Vertreter bei uns in Chemnitz zum Europa-Tag zu Gast.

Außerhalb

Wir sind nach dem Reiten unserer Verwaltungswelle aktuell vor allem mit Sommertätigkeiten verplant. Jedoch auch in den Vormonaten war schon was los. So gab es zur traditionellen Chemnitzer Museumsnacht ein Bastelangebot von uns. Maik in seiner starken Rolle als Vernetzer, war am 16.06.zum Global Innovation Gathering (GIG) Meeting in Berlin und am 22.06. zum politischen Austausch mit dem Deutsch-Französischen Bürgerfonds - dabei auch Vor Ort Julia Klöckner, Präsidentin des Deutschen Bundestags.

Mitte August besuchen wir die Stammveranstaltung und eine der wichtigsten Vereinsveranstaltungen für uns: die MakerFaire Hannover vom 15.-16.08. Dieses mal reisen wir mit 16 Vereinsmitgliedern dort an - eine beachtliche Gruppenstärke. Für uns ist das stets eine großartige Zeit, um uns intensiver auszutauschen. Denn auch Verein sehen sich viele Leute viel zu selten, jedoch ist die Zusammenkunft das Element überhaupt, um gemeinsame Aktivitäten und Interessen aufrecht zu erhalten.

Ende August, genauer gesagt vom 27. - 30.08. ist das Sommercamp des Verbunds offener Werkstätten in Frankfurt - dessen Thema ist dieses Jahr unter dem Titel "critical making" veranschlagt. Wir sind sehr gespannt auf In- und Output der Partizipanten, jedoch genauso auf den Ort und ein paar angenehme Momente zum Innehalten.

Parallel sind wir am 29.08. auf dem KOSMOS vertreten und ergänzen die Vereinsmeile um unser Angebot.

In der Stadtwirtschaft

Im Gelände Stadtwirtschaft tut sich immer was. Es kommen neue Nachbarn hinzu.

Wer, wie, was?

Unser guter Freund Richard macht richtig Meter mit seiner Schokoladenmanufaktur FAUCH SCHOKI und wir unterstützen mit Rat und Tat, und mit der Annahme von Paketen von DHL, Hermes und Co, sowie wie man es letztes Jahr vorallem noch für uns tat, haha. Wir wünschen weiterhin gutes Gelingen beim Ausbau der nötigen Dinge.

Auch die beherzten Neighbours von der Braubox geben viel Liebe für Details und Ausdauer in ihre bierrauschende Lösung und so ist man ab und an im Austausch zu Kleinigkeiten, die irgendwie weiterhelfen.

Über den kurzen Sprung zum Haus K, wo die Materialinitiative Zeux sitzt und kürzlich erst einen bewundernswerten, weiteren Infrastrukturausbau in Eigenregie vollzogen hat, ist ein Gespräch immer mindestens eine Kaffeetassenlänge wert.

Die mit Zeux gebaute Bücherpforte im Frühjahr bestätigt dabei, dass Nachbarschaftsprojekte eine gute Sache für alle sein können: sie verbinden, kombinieren und ergänzen Wissen. Das Kleinod wird regelmäßig von Nutzern aufgesucht und hat einen gepflegten Zustand. Der Mini-Teich daneben ist eine gute Wasserquelle für Insekten und Kleintiere und auch praktisches Gießwasser für die Blumen in den upgecycelten Waschbecken-Hochbeeten bzw. dem vom Holzkombinat übergebenen Hexagonhochbeet, wo bereits neue Guerilla-Tomaten ihr Unwesen treiben.

Insgesamt ist der Faktor Nachbarschaft für uns eine nennenswerte Grundlage, auf die wir damals in der Philippstraße (alter Standort FabLab) schon immer hoffnungsvoll blickten: ein großer, offener Hof mit vielen anderen kreativen und netten Leuten, Freunden, Gästen und Angehörigen, die alle etwas anderes machen und trotzdem geistig irgendwie miteinander verbunden sein können: durch das Teilen von Energie und Schaffenskraft, Ausdauer, Humor, Ideen, Wertschätzung, Wertschöpfung und einer besonderen Art von Gemeinschaftsgefühl - alles, was unbezahlbar ist.

Ein bisschen biologisches Areal

Über bisher ungenannte Kleinigkeiten sind wir auch happy: es gedeiht reichlich Obst im Gelände, was für einen kleinen Zwischendurchsnack eine super Sache ist - es gibt frisch Gepflanztes und einen tollen Altbestand. In der Stawi gibt es unter anderem Johannisbeeren, Stachelbeeren, Äpfel, Birnen, Maulbeeren und so einiges mehr zu mundrauben. Dabei kümmern wir uns auch um das eine oder andere Grünzeug in Sachen Bewässerung und Pflanzung, und die kleinen Vögelchen, für die z.B. unser Restaurator-Nachbar Ingo eine Wasserschale aufgestellt hat. Vogelfutter, Futterhäuser und Nistkästen sind ein Thema, das wir als Hobbyisten mit angehen - nicht auf professioneller Ebene, aber überhaupt. Denn etwas Rückhalt für die schlecht behandelte Natur ist wichtig und kann vor der eigenen Haustür betrieben werden. Deshalb sind wir immer noch glücklich, wenn der kleine Stawi-Hase abends über das Gelände hoppelt, der über 2 Jahre Dauerbaustelle mitgemacht hat.

Stadtteillager

Ab Juli lagern wir für uns und unsere Mietnachbarn Equipment aus und das hat Vorteile für alle: Wir haben mehr Platz, andere haben mehr Möglichkeiten. Das Stadtteillager ist eine praktische Sache.

Mehr Infos dazu gibt es unter https://y.stadtfabrikanten.org/leihgut.

Gewimmel mit Gewusel am 06.09.

Übrigens: am 06.09. findet das zweite mal das Stawi-Hoffest "Vom Wimmeln und Wuseln" statt - das ist ein offener Nachmittag / Abend mit Musik- und Kulturprogramm und lädt dazu ein, das Gelände und seine Gestalter mit gutem Getränk mal genauer kennenzulernen. Im. Das Ganze wird wieder von der asa-ff Gründungsgarage supported und durch verschiedene Mieter des Hofes bespielt. Weitere Infos dazu finden sich auch auf stadtwirtschaft.org. Hier findet ihr den von Kati Hollstein (Eigenleben) gestalteten Flyer - ebenso eine dufte Nachbarin aus der Stawi.

Offene Werkstatt : Metallwerkstatt : Kooperationswerkstatt

... Werkstatt hier und da und dort.

Offene Werkstatt?

Der offene Mittwoch im FabLab ist jede Woche auf's Neue ein bunter und spannender Blumenstrauß. Vor allem schafft er vielerlei Begegnung. Gäste und Hofnachbarn mit Fragen, Ideen und spezialisierten Anliegen treffen auf immer unterschiedliche Vereinsmiglieder, Helfer oder andere Gäste. Nicht jeder Anfrage kann eine passende Antwort gegeben werden, z.B. aus Zeit und Kompetezenzgründen, aber wir geben uns alle Mühe auch in Richtung Weitervermittlung.

Häufiger gibt es unter anderem Reparaturanfragen im Textil- oder Holzbereich. Hier und da wird ein Fahrrad oder Rasenmäher wieder (halbwegs) flott gemacht, ein T-Shirt geflickt, der Reißverschluss einer Hose wieder ganz gemacht, ein Fleck mit einem kleinen Plott überfoliert oder ein altes rustikales Unikat auf Vordermann gebracht: schleifen, sägen, bohren. Oder ein 3D-Druck Teil aus dem Netz gezogen überprüfen, drucken und einbauen - passt oder passt nicht? Die Vielfalt der Handgriffe ist immer wieder interessant.

Reparatur ist nicht unser Hauptfokus, aber dennoch ein wichtiger Teilaspekt, den wir mit den anderen Initiativen in Chemnitz in unterschiedlichster Ausprägung doch gemeinsam haben: seien es beispielsweise der ADFC e.V., Dr. Radinger, Computertruhe e.V. oder das Repair Café vom Stadthalten e.V.. In der Regel verweisen wir immer auf passende Initiativen in der Nähe, wenn wir nicht weiterhelfen können oder jemand woanders besser adressiert sein könnte, denn wir alle leben vom Miteinander, aber auch vom Füreinander.

Dafür halten unsere Kümmerer in den jeweiligen Werkstätten bei uns die Räume und Gerätschaften im funktionsfähigen Zustand und spendieren seit Jahren große Teile ihrer privaten Freizeit für das Gemeinwesen - was jede Menge Arbeit macht, und auch nicht immer dankbar erscheint oder auch so wertgeschätzt wird: denn auch Geräte, die zur Repararatur benötigt werden, müssen reparariert und gewartet werden. Keine leichte Aufgabe. Dazu entstehen unterschiedliche Verbräuche, die oft nicht durch die einzelne Person durch angemessene Spenden bzw. Nutzungsgebühren gedeckt werden: Strom, Wasser, Heizung, Schleif-, Schneid-, Schmier und Reinigungsmittel, Ersatzteile, etc. Manch eine Baustelle ist auf diese Art sehr langwierig im Gefühl bis zur Wiederherstellung des Zustands "geht wieder!".

Die Beschreibung unter stadtfabrikanten.org/fablab-chemnitz gibt Anhaltspunkte, für die wir seit Jahren stehen und die wir gern erneut betonen: "Offene Werkstätten sind Orte des Handwerks, der computergesteuerten Fertigungsverfahren und digitalen Technologien, die du mitgestalten und -nutzen kannst. Sie alle eint die Idee, Wissen, Werkzeuge und Maschinen, Technik und Materialien zu teilen." und "Werkstatt, Werkzeuge, Maschinen, Ideen, kreative Austauschplattform und Hemisphäre für"Do it together" bzw. "Do it with others" . Das FabLab ist so vielseitig, wie du es bist, denn du kannst es aktiv mitgestalten und dazu beitragen das FabLab ein wenig bunter zu machen."

Leider nimmt derzeit das Aufkommen von eher dienstleistungsgeprägten Anfragen zu, für die wir uns als Gruppierung jedoch nicht in sinnhafter Verantwortung sehen und lieber an Gewerbetreibende verweisen, die das in angemessener Zeit und fachlicher Güte übernehmen können und auch das passende Geld verlangen. Das Interesse an Verein und Gemeinschaft ist bei einigen Anfragern tatsächlich einfach viel zu wenig präsent - dafür herrscht eine unangehme, fordernde "Machen-lassen Mentalität" vor, die in Form von eher einseitigen Diskussionen wiederrum wertvolle Zeit entnimmt, die für andere Menschen dann fehlt, bei denen die Aufmerksamkeit besser aufgehoben wäre.

Deshalb sind wir derzeit in einer Hinterfragungs- bzw. (Er)Findungsphase bezüglich einer besseren Beschreibung, was uns ausmacht, wofür wir da sind, da sein sollten und was nicht unsere Kernaufgabe ist. Ziel ist, eine einheitliche Kommunikation der Grundanliegen des Vereins an die konkrete und potentielle Nutzerschaft direkt und verständlich mitzuteilen. Dabei soll es mehr darum gehen, wie man diese Beschreibung praktisch und im persönlichen Dialog vermittelt und weniger darum, wie diese zur Satzung, Nutzungsordnung, Regelwerk, Richtlinie, Gesetzmäßigkeit, Code of Conduct, XYZ noch oben drauf gesetzt wird und von keinem beachtet wird.

Metallwerkstatt?

In der Metallwerkstatt geht es langsam, aber stetig auch physisch voran. Insbesondere unser Mathieu steckt nach wie vor viel Zeit in die Metallwerkstatt, um die begonnenen Arbeiten an Stangenmaterialregal, mobilem Verbrauchsmaterialrolli, Tischgestell für Mini-CNC-Fräse und Schweißgerätegestell abzuschließen. Hier vergraben ist viel Hingabe zum Detail und der Umsetzung: Materialbedarfsplanung und -beschaffung, CAD-Konstruktion, Schweißplan, laufende Anpassungen und natürlich das konkrete Werken mit Metall, Staub und Dreck. Es ist eben nicht alles schnell gemacht.

Unser neueres, sehr aktives Mitglied RJ ist außerdem viel am Auskundschaften der Werkstatt und ist aktiv in ihrer eigenen Berichterstattung. Dabei legt sie besonders viel Wert auf die Metallverarbeitung in puncto Schweißarbeiten, bringt ihr eigenes Wissen ein, probiert sich aus und gibt ihr eigenes KnowHow weiter. Wir sind gespannt, was noch so kommt!

Auch die Keramikecke ist noch gedanklich nicht verworfen, wenn auch noch immer nicht realisiert.

Kooperationswerkstatt?

In Form kollaborativer Partnerschaften teil(t)en wir unsere Werkstatt in diesem Jahr über die wöchentliche offene Werkstatt jeden Mittwoch hinaus zum Beispiel für das Projekt enter THE RING oder die Vorbereitungsarbeiten für das 20. Jubiläum des Fuego a la Isla.

Für die Sonderausstellung Threads - Verflechtungen (Beginn 08.05 und verlängert bis 02.08.2026) im SMAC haben wir das FabLab bereichsübergreifend genutzt, um für die Ausstellung zuzuarbeiten. Unser Projekt war die Realisierung der Stickstation zum Mitmachen. Hierzu ist eine umfangreichere Dokumentation des HowTo bzw. Hintergrunds entstanden, die wir in unsere Wiki abgelegt haben.

Im Juni gab es den zweiten Wordclock Workshop bei uns. Weil das Wetter toll war, fand er spontan draußen vor der Tür statt. Am 3. Oktober ist wieder ein Wordclock-Workshop mit Nick Grimm vom Sternenlabor angesetzt. Eine passende Ankündigung folgt noch. Wer Lust hat, kann sich bereits hier anmelden.

Am 24. und 25.10.2026 laden wir zudem zum Seminar "Gekommen um zu bleiben" ein, veranstaltet vom VOW e.V. und TinkerTank. Inhalt des Seminars ist:

Wir wollen, dass ihr (wieder-) kommt! Das ist der Wunsch der Offenen Werkstätten. Und auf struktureller Ebene gibt es viele Ansatzpunkte, die Eintrittsschwelle so niedrig wie möglich zu gestalten. Soziale und kommunikative Ansatzpunkte eröffnet dieses Weiterbildungsmodul. Wie können Werkstattbetreibende und Mitmacher*innen andere Menschen so willkommen heißen, dass sie Lust haben wieder zu kommen? Wie sieht Team-Führung aus, sodass wir uns alle gesehen und eingebracht fühlen? Kommunikations-, Feedback-, und Umgangskultur in Offenen Werkstätten, sowie fundamentale Bausteine gelingender Organisationsentwicklung auf Augenhöhe werden thematisiert und reflektiert.

Digitales

Als Verein und als offene Werkstatt legen wir nach wie vor großen Wert darauf, digital souverän zu sein und in einem Gesamtsinn zu vereinen - die digitalen Werkzeuge genau wie anfassbare Werkzeuge eher als in einem sortierten Kasten begreifen, in welchem die Sachen aufeinander abgestimmt sind.

Dinge eigenständig verstehen, selber machen und verbessern, Open Source nutzen, zu Open Source beitragen, Open Source weitertragen und verbreiten. Wer nicht selber macht, wird abhängig und bildet sich nicht besonders ausgiebig weiter und verpasst Anschluss. Das trifft auch bei den virtuellen Themen voll zu und ist eine Gefahr für demokratisches oder gemeinschaftsförderndes Handeln. Natürlich sind auch Open Source Projekte nicht vollkommen frei (z.B. Hosting-Frage) und ubhängig, doch diese bieten nach wie vor das Potential des Gegengewichts zu Alphabet, Amazon, Meta und den anderen Netzknechten, die uns Werkzeuge und Möglichkeiten aus der Hand reißen und das letzte Geld aus der Tasche saugen.

In Zeiten permanenter Beschleunigung auf beiden Seiten der Medaille hinsichtlich Sicherheit und Service von Webseiten wie Serverbetrieb sind auch wir aktiv und passen permanent an. Mehr Checks, mehr Updates, noch mehr Dokumentation, mehr Monitoring, mehr Sicherheit und so weiter. Spürbar ist das extrem stark in den notwendigen Anstrengungen dem zu begegnen, leider ...

Viele noch gepflegte, offene Softwareprojekte bringen häufiger Sicherheitsaktualisierungen in ihren Release-Feed, um überhaupt noch unter den gegebenen Herausforderungen funktionieren zu können/zu dürfen - das geht insbesondere schon beim Betriebssystem los. Nachrichten wie diese auf Golem häufen sich in unfassbarer Anzahl. Das verursacht einen deutlich gestiegenen Aufwand auf Entwickler- wie Administrator- und Anwenderseite und mentale Kraftanstrengungen: Changelogs und Aktualisierungsanweisungen lesen und verstehen, konfiguratorische Notwendigkeiten umsetzen, testen, mit etwaigen neuen Einschränkungen leben, Skepsis walten lassen, Dinge weg lassen?

Unter anderem eingeflochten wurden/werden bei uns die stärkere Verwendung von Honeypots und fail2ban Mechanismen und Frühwarnsysteme als Teil der Reaktion auf das sich zu beobachtende, weltweite Internetgeschehen.

Unsere viel zum Einsatz kommende Hedgedoc Instanz ist leider seit Juli nur noch halb-öffentlich, d.h. auf Einladung nutzbar, da der Missbrauch in Form von Werbebots zu hoch im Aufkommen geworden ist.

Mit dem erhöhten Aufkommen an KI-Nutzung auf dem Globus steigt zunehmend bei verschiedenen Providern die ungefilterte Zustellung von lästigem, Aufmerksamkeit fressenden Datenmüll an die Empfängerschaft - selbst bei großen Dinosauriern wie T-Online und Netcup. Über die gewissenlose Vergeudung von Strom und Hardware derer Verbreiter will ich hier garnicht erst sprechen. Die Folge: das Aussortieren von validem Inhalt aus dem Bit-Müllberg geht zu Lasten von Vertrauen, Vorfreude und dem eigenen Lebenszeitkonto - wir alle spüren das auf die eine oder andere Weise. Die ultimative Frage könnte letztlich auch die Sinnfrage sein: wozu überhaupt noch?

Auch wir Stadtfabrikanten haben in den vergangenen Monaten so unfassbar viel Spam, Scam, Phishing-Attacken abgekommen, dass es höchste Zeit gewesen ist, hier nochmal viel zu viel Manpower zu investieren. Entsprechend viel Fokus lag deshalb auf der Anpassung unserer Mailserver-Architektur: Antivirus-Härtung, modernere SpamFilter (SpamAssassin) etablieren, selber aktiv Spam-Emails an das weltweite AntiSpam-Netzwerk melden (u.a. Pyzor, Razor) oder die Nutzung von Postscreen. Die umgesetzten Maßnahmen haben nun eine starke Entspannung bewirkt. Fragt sich jedoch, wie lange wohl?

Unser Matrix Synapse Server spricht nun OIDC mit Hilfe von "Matrix Authentication Service" und unterstützt die neuere "Element X" Client Version auf Apple und Android Geräten vollständig. Damit lässt sich u.a. auch der Live-Standort teilen. Video- und IP-Telefonie funktionieren wieder - nun mit dem modernen Element Call. Damit sind wir wieder up-to-date in Sachen Echtzeitkommunikation und bieten immer noch eine echte Alternative zu Datenschutzkillern wie WhatsApp oder Telegram, denn Element ist nativ stark verschlüsselt (Double Ratchet). Fragt sich auch hier, wie lange. Matrix ist ein toller Dienst, fordert aber auch viel ab, um ihn zu beherrschen.

Insgesamt wurde im Hintergrund das Gros der Onlinedienste unseres Vereins an einen OpenID Connect Provider namens Dex IdP angekoppelt. Denn durch die Vielzahl hinzu kommender Logins und Passwörter verlieren Normalsterbliche, denen der komplexe Kram auf die Nerven geht, den Überblick über ihre Zugänge. Eine eierlegende Wollmilchsoftware, die alles kann, gibt es jedoch nicht und das heißt, dass für verschiedene inhaltliche Absichten im Verein viele eigenständige Insellösungen eine relative Notwendigkeit und auch eine Quelle gelebter Vielfalt darstellen - spezifische Programme sind eben in ihren dafür geschaffenen Zwecken besser als vermeintliche Alleskönnerprogramme. Das wollten wir jedoch irgendwie vereinfachen und gleichzeitig modern machen. Dank Dex IdP gibt es nun einen Single Sign On: einmal statt zehn mal einloggen. Klappt noch nicht 100% gut, aber geht in eine stabile Richtung.

Im Frühling gesellte sich eine eigene Manyfold 3D Instanz dazu. Das ist eine Art nachgebautes Thingiverse. Damit können wir sogenannte Assets speichern und verteilen. Konkret speichern wir hier unsere eigenen 3D-Druck und Lasercut Modelle ab. Das ist auf die eine Weise nachhaltigkeits- und strukturfördernd: unsere Konstruktionen und Ersatzteile finden wir leicht wieder und können es werbefrei und auf kurzem Wege abrufen und an eigene Dokumentation sinnvoll ankoppeln, sowie mit Dritten teilen - ganz wie Thingiverse, aber eben ohne kommerzielle Absichten und Ablenkung durch noch mehr Schnickschnack.

Gesetzliche Archivierungspflichten folgen wir ebenso, um die Vereinsarbeit zeitgemäß und auf soliden Füßen zu halten. Aus diesem Grund haben wir zu Ende des Frühlings eine neue GBOD-konforme OpenArchiver Lösung integriert. Unscheinbar, aber praktisch. Das entlastet unsere Emailpostfächer sehr stark und stützt die nervige Konformität bürokratischer Akte.

Seit Juli arbeite ich Fabian Maaß zu. Das ist ein besonders engagierter Kopf, der an Teedy Docs weiterarbeitet und Open Source in Autobahngeschwindigkeit schreibt. Teedy ist die Software, die wir seit vielen Jahren für unsere Dokumentenverwaltung als auch das angehäufte Vereinsinventar nutzen. Als Poweruser von Teedy habe ich viel Feedback beizutragen und noch viele Wünsche und Vorstellungen, was damit getan werden kann. Besonders dem Inventarthema habe ich mich bereits vor vielen Jahren im Verein verschrieben und strenge mich an, maximale Übersicht und Transparenz in der Werkstatt herzustellen. Ich bin einfach immer noch genauso überzeugt wie am Anfang, dass diese schnöde Tätigkeit der Inventarisierung einen Schlüssel darstellt, im Verein eine langfristige Form von Nachhaltigkeit zu leben und weiter zu tragen. Nur wer weiß, was wo zu finden ist, wem was gehört, was etwas Bestimmtes kann, wie etwas funktioniert, kann folglich damit gut vermitteln, Ressourcen einsparen, Ressourcen clever bündeln oder Ressourcen teilen.

Gekauft und gelagert ist in der Regel schnell getan - doch was passiert dann? Wer kümmert sich? Die Folgen unüberlegten Shoppings sehen wir bei genügend anderen Initiativen und Privatleuten im Umfeld immer wieder. Das Konzept bei uns ist grundsätzlich deshalb: ein zentraler Ort für die Dinge, die uns unterstützen. Wer ist Ansprechpartner für Sache X? Wo finde ich Handbuch Y? Wie sieht Ding Z aus? Diese und weitere Frage bestimmen den Alltag im FabLab doch letztlich häufig. Werkzeuge sind eben nur Hilfsmittel. IT-Tools sind übrigens auch nur Hilfsmittel. Die Frage ist, wie diese verwendet und verbreitet, also gelebt werden.

Im Zuge der Aktualisierung von Teedy habe ich mich auch an die Aktualisierung des eher auf Abstellgleisen befindlichen Inventarstickerthematik wieder zugewandt: jedes Objekt in der Werkstatt soll seinen eigenen Sticker bekommen. Dieser ist scanbar und dadurch ist es einfach möglich, für jedes Objekt Handbuch und wichtiges Infos wie Ansprechpartner zu bekommen. Grundidee ist dabei auch, dass die Sticker sicht leicht drucken lassen, mit Farbkonzept direkt signalisieren, was wo hin gehört und so weiter.

Weitere virtuelle Werkzeuge sind in unserer Organisation noch hinzugekommen und helfen im Alltag bei der einen oder anderen Standardaufgabe: ein eigener Dienst für Sprachübersetzungen und Rechtschreibprüfung (LibreTranslate und OmiPoly) sowie ein Email-Vorlagenbuilder für das Formatieren lesenswerter Emails an die Allgemeinheit (EmailBuilder.js). Das ältere FramaDate wurde gegen das neuere Pollaris Projekt getauscht. Mitgliedsanträge und ein paar andere Standarddokumente können nun neben der weiterhin bestehenden Analogvariante auch digital ausgefüllt, signiert und abgeschickt werden - hierzu verwenden wir DocuSeal.

Eine besonders tolle Neuerung, die bei uns dazu im Laufe 2026 gekommen ist, ist HiEvents. Das ist eine quelloffene Lösung für das strukturierte Pflegen und Veröffentlichen von geplanten Veranstaltungen, wie z.B. Workshops. Damit ist das Onlinestellen buchbarer Veranstaltungen logisch, simpel und angenehm für beide Partien: Workshopleiter wie Teilnehmer.

Nutzbarkeit der Werkstatt im Sommer: Digitale Betrachtung analoger Ursachen

Ein kleines, aber interessantes Untensil im FabLab Chemnitz ist unser OSH AirGradient Umweltsensor. Den haben wir seit 2025 im Betrieb und die Langzeitauswertung im Monitoring zeigt einmal mehr, wie Mikroklima und das Klima von außerhalb abhängen und wo man selbst Einflussmöglichkeiten hat. Definitiv können wir nun aufzeigen, wann zu viel Kohlenstoffdioxid die Luft zum Müdemacher werden lässt oder ein unangenehmer Taupunkt Schweißausbrüche verursacht, die man sich garnicht immer sofort erklären kann (Thermodynanimik lässt grüßen). Letzterer (Taupunkt) als direkt spürbare Auswirkung ist vor allem dem generierten Klimawandel geschuldet, der durch intensive Übernutzung von Ressourcen in globale, additive Wärmemenge von Jahr zu Jahr für alle fühlbar wird und Räume innen wie außen zum Dahinschmelzen bringt.

Wer will schon bei 32 °C im Schatten noch körperlich tätig werden, wenn man es nicht muss? Im FabLab haben wir das im Juni schon gemessen und die Bausubstanz des Gebäudeteils der Stadtwirtschaft, in dem wir uns befinden, lässt hier vermutlich keine schnellen oder günstigen Änderungen zu, die das positiv beeinflussen können. Am alten Standort war uns im Winter immer zu kalt. Am neuen Standort könnte es eventuell nun immer zu warm werden. Also lieber doch Siesta einführen und die Lab-Zeiten in den späten Nachmittag / Abend verlagern!?

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